Präsidentschaftswahlen: Wir gehen wählen
von Lisa Umminger
Viele junge Amerikaner in NRW wählen kommende Woche zum ersten Mal. Zone D hat mit dreien vor ihrem ersten Urnengang gesprochen.
Schatten im Blick: Ein Anhänger der Republikaner vor der amerikanischen Flagge. Derzeit sieht es nicht nach einem Sieg der Konservativen aus. Foto: dpa
Moritz Lukas Obst, 18 Jahre alt, geboren in Wuppertal, Gymnasiast
Moritz besitzt die deutsche und die amerikanische Staatsangehörigkeit. Der Grund: Seine Mutter ist Amerikanerin und hat für ihren Sohn bei der Botschaft die amerikanische Staatsbürgerschaft beantragt. Warum er sich entschieden hat, an der US-Amerikanischen Wahl teilzunehmen: „Wir haben viele Freunde in Amerika - das gibt natürlich eine gewisse emotionale Bindung. Deshalb ist mir die Wahl auch so wichtig."
Grundsätzlich gilt für ihn: „Wenn ich die Möglichkeit habe zur Mitbestimmung habe, dann muss ich diese auch nutzen!" Für ihn ist es daher auch selbstverständlich, den Wahlkampf aufmerksam zu verfolgen. „Ich zeichne die Fernsehdebatten bei CNN auf, wenn diese nach deutscher Zeit mitten in der Nacht gesendet werden." Sein Favorit: „Ganz klar Obama. Der Mann ist der Beste für das Ansehen Amerikas in der Welt, er könnte die USA gut repräsentieren." Außerdem ist sich Moritz sicher, dass Obama auch dem „einfacheren" Bürger helfen will, und nicht nur den Reichen.
„Obama steht für einen Wechsel, bringt Schwung in die Sache rein, Amerika braucht etwas Neues", sagt Moritz
Patricia Lee (23), aus New Jersey, Studentin, lebt in Düsseldorf
Patricia hat sich vorbereitet. Schon vor Wochen hat sie sich bei den Democrats Abroad in Köln registrieren lassen, vor ein paar Tagen hat sie die Wahlunterlagen bekommen. Warum hat sich die Studentin, die zumindest vorläufig in Deutschland lebt, entschieden, dennoch an der US-Amerikanischen Wahl teilzunehmen: „Ich fühle mich den USA immer noch sehr verbunden. Außerdem sehe ich es als Pflicht eines jeden Bürgers an, zu wählen. Das ist einfach wichtig, jede Stimme zählt", sagt Patricia. „Vor allem dann, wenn man bedenkt, wie knapp es bei der letzten Wahl war."
Patricias Teilnahme an der amerikanischen Wahl ist ihr aber auch deshalb so wichtig, weil sie viele Freunde in Amerika hat. „Ist doch klar: Meine Freunde profitieren dann von einem guten Präsidenten!" Patricia verfolgt den Wahlkampf daher auch intensiv: „Ich lese täglich amerikanische und deutsche Zeitungen, um ein möglichst komplettes Bild auch in der Ferne zu bekommen." Ihr ist aufgefallen, dass die amerikanischen Zeitungen insgesamt eher für McCain schreiben - die deutschen dagegen eher für Obama. „Wenn man beide Seiten liest, hat man ein rundes Gesamtbild." Sicher ist für Patricia: „Diese Abstimmung ist eine der wichtigsten Wahlen meiner Generation."
Patricia steht zu „100 Prozent" hinter Obama. „Er ist sehr intelligent und ich glaube, dass er mehr für Amerika machen kann als McCain, vor allem was Amerikas Bild im Ausland betrifft." Dennoch will sie nicht zu optimistisch sein, dass Obama gewinnt, selbst wenn es momentan danach aussieht, dass die USA ihren ersten farbigen Präsidenten wählen werden. „Es ist wie bei der vorletzten Wahl, als George W. Bush ins Weiße Haus gewählt wurde", fürchtet sie: „Der Demokrat liegt vorn - und dann gewinnt irgendwie doch der Republikaner."
Wie auch immer die Wahlen ausgehen - im Anschluss will sie eine private „Elections Party" veranstalten.
Josh Brinkerhoff aus Utah, 26 Jahre alt, Politologe, lebt in Oberhausen
Joshua (Josh) lebt seit elf Monaten in Deutschland. Josh ist nicht nur als Amerikaner an der Wahl interessiert, sondern auch als Politikwissenschaftler. „Es gehört für mich einfach dazu, zu wählen." Für ihn ist es selbstverständlich, dass jeder, der die Gelegenheit dazu bekommt, seine eigene Meinung auch durchsetzen muss. Um sich über den Wahlkampf zu informieren, steht er auch nachts auf, um sich die Debatten live im Fernsehen anzusehen. „Gerade für mich als Politikwissenschaftler ist es natürlich interessant zu sehen, wie der Wahlkampf hier in Deutschland gezeigt wird. Die Europäer hätten wohl lieber Obama, da er sympatischer ist - somit wird dieser auch besser dargestellt!"
Doch auch für ihn ist Obama der Favorit: „Ich unterstütze Obama schon seit zwei Jahren und versuche auch, meine Familie und Freunde von ihm zu überzeugen." Für Josh steht jetzt schon fest: „Obama wird das Rennen machen. Er steht in Umfragen vorn - und er ist einfach der bessere Mann für diesen Job."

